Von dem Tag, an dem ich eine Geburt dokumentieren durfte
Aktualisiert: 28. Sept.

Auf-die-Welt-kommen ist ein so essentieller Moment, der uns alle betrifft. Wir alle wurden an einem Tag geboren – bei manchen ist es länger her als bei anderen und trotzdem erinnert sich wohl niemand selbst daran – mit diesen Gedanken im Kopf herumschwirrend, radle ich an einem ganz normalen Mittwoch Mittag durch Göttingen zum Geburtshaus. Am Telefon vor einigen Minuten klang die Stimme der Gebärenden schon so, als würde es nicht mehr viele Stunden dauern bis ein kleiner Mensch auf die Welt kommt.
Ich biege in die Straße, in der das Geburtshaus liegt, ein und mein Herz klopft schnell, während in der Welt um mich herum der Alltag weiterläuft. Die Menschen, die neben mir vorbei gehen, sprechen darüber, was sie zum Abendessen kochen wollen. Diese Gleichzeitigkeit von so Alltäglichem und so Besonderem fasziniert mich in diesem Moment. Ich schließe mein Rad an, schnappe mir meine Kameratasche, atme einmal durch und werde ruhig und langsam bevor ich das Geburtshaus betrete.
Ich verstehe Geburt als sehr sensiblen und intimen Prozess und bin so gespannt, was ich jetzt in den nächsten Stunden begleiten und mit meiner Kamera dokumentieren darf.

Ich komme an und beginne langsam zu fotografieren: den Raum, Details, die mir auffallen, die Tasche, das Käsebrot und den Prozess des Ankommens, denn auch die Familie ist erst kurz vor mir eingetroffen.

Die Geburt erfüllt den ganzen Raum - ruhig, zart und friedlich. Ich nehme die Atmosphäre wahr und fange kleine Momente und Gesten durch meine Linse ein: die Gebärende am Atmen, der Partner unterstützend haltend, die Hebamme am Beobachten und Dokumentieren. Dabei lasse ich Raum für das Geburtsteam, halte mich selbst im Hintergrund und bewege mich langsam und ruhig, wenn ich die Perspektive wechsle. Wenn die Gebärende lauter atmet, weil es intensiv wird, atmet der ganze Raum mit.
Zwischendurch erinnere ich mich immer wieder an die zwei Geburten meiner Kinder, die nun schon ein paar Jahre zurück liegen und deren Erinnerungen von diesem nebeligen Gefühl der Geburt umgeben sind. Hier bei einer Geburt dabei sein zu dürfen, lässt diese eigenen, etwas verblassten und verschwommen Erinnerungen wieder mehr Farbe und Kontur bekommen. Wie gerne ich meine Geburten auch durch eine andere Linse gesehen hätte. Dass ich selbst keine Bilder von meinen Geburten habe, bedauere ich. Dass ich anderen Familien Bilder von Geburt geben kann, macht mich glücklich.

Während an diesem Mittwoch Mittag draußen der Alltag in der Stadt einfach weiter fließt, kommt da in der Badewanne im Geburtshaus ein neuer Mensch in den Raum…

Es erfüllt mich mit Ehrfurcht, dass ich mit dabei sein darf, als dieser kleine Mensch auf die Welt kommt und bin so dankbar für das Vertrauen und die Offenheit, die mir diese Familie entgegenbringt. Danke, dass ich in diesem zarten, intensiven Moment euer Biografie dabei sein und sie für euch in Form von Bildern konservieren durfte.
Wenn ihr gerade schwanger seid und euch für eine fotografische Begleitung einer Geburt interessiert oder einfach Fragen dazu habt - schreibt mir gerne und wir telefonieren unverbindlich. Ich freue mich auf euch.

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